New Work – Buzzword oder echte Transformation

von | Dez 2, 2020 | Digitalisierung, New Work

Mein letzter Vortrag war zum Thema New Work und zwar habe ich beleuchtet, ob es sich hier wieder mal um eine Modeerscheinung also ein Buzzword handelt oder ob sich dahinter echte Transformation unserer Arbeitsweise versteckt. Wenn man genauer hinschaut, kann man entdecken, dass immer mehr Menschen New Work leben wollen und gerade die jungen Generationen eine solche Arbeit suchen.

Aber schauen wir mal woher der Begriff kommt und was er heute bedeuten kann.

Der Begriff New Work wurde in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts von Prof. Frithjof Bergmann kreiert und er verband damit nicht nur die neue Arbeit, sondern auch eine neue Kultur und eine neue Wirtschaft, eine Wirtschaft die man heute mit Postwachstumsökonomie (Degrowth) bezeichnen würde.

Bergmann beriet in den 80 Jahren in Flint (Michigan) General Motors bei dem Vorhaben, Arbeitsplätze so abzubauen, dass nicht eine ganze Stadt dem Niedergang geweiht war. Er ging davon aus, dass die Lohnarbeit nur die Grundbedürfnisse eines Menschen decken muss. Die Arbeiter sollten 10 Stunden in der Woche weiter angestellt bleiben und könnten in den 30 Stunden, die sie nun freigestellt waren, sich um die Kommune kümmern und dort gemeinschaftlich etwas aufbauen und sich nebenher noch selbstständig machen.

„Alte Arbeit ist Arbeit, die wir wie eine milde Krankheit ertragen. Neue Arbeit ist Arbeit, die wir wirklich, wirklich tun wollen. „

Prof. Frithjof Bergmann

Danach ist die Neue Arbeit die Selbständigkeit, die uns vielleicht nicht soviel Geld bringt, dass wir davon leben könnten, die uns aber erfüllt und in der Seele gut tut.

1/4 Lohnarbeit, Job
1/4 Community Production ( Maker Space, Urban Gardening, Prosument werden)
1/2 Enterpreneurship, Selbständigkeit (Was ich wirklich, wirklich will)

Mit seinen Überlegungen war er damals nicht alleine, denn schon der Ökonom John Keynes hat vor 80 Jahren prognostiziert, dass wir im Jahr 2030 nur noch 15 Stunden in Lohnarbeit arbeiten müssen, da sich die Produktivität so enorm durch die Automatisierung erhöht hat.

Leider sind wir von dieser Prognose noch ziemlich weit entfernt, da Keynes sich nicht vorstellen konnte, dass wir in den Jahren 2000 – 2020 so viel mehr konsumieren würden und deshalb immer mehr arbeiten würden. Wir geben einfach zu viel Geld für Konsum aus, obwohl er uns gar nicht mehr glücklich macht. Wir belohnen uns für die harte Arbeit mit Reisen, Klamotten, Statussymbolen und wollen anderen Leuten zeigen, wie erfolgreich wir sind und dabei verlieren wir uns selbst.

Andererseits gibt es aber auch Branchen, die einen so niedrigen Stundenlohn zahlen, dass Menschen sogar mit 40 Stunden Wochenarbeitszeit kaum über die Runden kommen, geschweige denn eine Rente für´s Alter ansparen können. 

Bei der Abfrage, was die Teilnehmer meines Vortrages mit dem Begriff New Work verbinden, ist diese Wortwolke entstanden:

Heute verstehen wir unter New Work eine flexible, agile und selbstbestimmte Arbeitsweise, die wir in unserer Lohnarbeit finden wollen. Die Arbeitgeber versuchen innovativer zu werden und suchen genau diese Leute, die es gelernt haben selbstorganisiert und selbstverantwortlich zu arbeiten.

Deshalb haben die digitalen Tools für New Work eine so große Bedeutung, da wir mit Ihnen Kooperationsplattformen aufbauen können und somit auch asynchron und örtlich und zeitlich unabhängig voneinander zusammenarbeiten können.

Die vielen Lerntools helfen über den Tellerrand zu schauen und mit Menschen aus der ganzen Welt verbunden zu sein. Sogar Sprachbarrieren werden immer kleiner, da Englisch eine anerkannte internationale Sprache ist und im Notfall die Übersetzer – Tools Hilfe leisten.

Was wir gerade feststellen, ist aber ein Shift beim Mindset. Früher hieß es „Wissen ist Macht“ und heute heißt es „Wissen teilen ist Macht“. Unternehmen werden nur überleben können, wenn sie es in ihrer Kultur verankert haben, dass Wissen geteilt werden muss, um sich zu verbessern und agil und innovativ zu sein und dass nicht mehr nur allein das Erfahrungswissen aus alten Zeiten zählt, sondern das Innovationen entstehen, durch eine gemeinsame Vision. Dafür müssen aber diejenigen, die bereitwillig ihr Wissen teilen, auch wertgeschätzt und sichtbar werden. Es muss sich irgendwie positiv auswirken, wenn man sein Wissen teilt. Vernetzung und Zeit zum Lernen können solche Vorteile sein.

Außerdem haben wir gelernt, dass Wissen alleine auch nicht reicht. Aus Wissen muss „Können – Kompetenz“ werden und dafür braucht man ein Öko- System, in dem man sein Wissen ausprobieren kann und umsetzen kann. Wir brauchen also Experimentierfelder und Kollaborationsräume.

Die Zukunft gehört den kollaborativen Netzwerken

In hierarchischen Unternehmen stellt man fest, dass man zwar stark standardisierte (komplizierte) Vorgänge immer noch gut mit der hierarchischen Organisationsstruktur abbilden kann, aber die immer dynamischere und komplexere Welt nach agilen und vernetzten Strukturen schreit.  Der Plan hilft oft nicht mehr weiter, wenn sich die Umwelt aufgrund von Krisen  schnell verändert. Was dann hilft ist das Netzwerk als Organisationsstruktur.

Wie wollen wir in Zukunft leben und arbeiten?

Diese Frage wird gerade für die PostCorona Zeit gestellt. Wenn Sie sich auf diese Suche machen, dann helfe ich Ihnen gerne